Seit 16 Jahren ständig barfuß : Luzia F.
(Medienberichte seit Spätsommer 2001)

Ein Leben unten ohne
Sie trägt keine Sandalen im Sommer, keine Stiefel im Winter
Luzia Falkenberg lebt seit 16 Jahren barfuß: Auch Kaugummis und Glasscherben schrecken sie nicht ab.
Von BRUNI MAHLBERG-GRÄPER
HEIMBACH. "Ich glaub', die spinnt", haben die Heimbacher gesagt.
"Die Eifeler sind ja so direkt", beschreibt Konditormeister Jürgen Müller, was die Menschen in der kleinen Stadt am Rursee über die neue Mitbürgerin dachten, die vor acht Jahren in den Ort zog.
Allerdings bezogen die Alteingesessenen ihr unverblümtes Urteil nicht auf den Kopf; im Gegenteil, die Füße waren es, die ihnen merkwürdig vorkamen. Luzia Falkenberg trägt nämlich keine Schuhe, weder Sandalen im Sommer. noch Stiefel im Winter. Selbst bei Frost setzt sie ihre Gliedmaßen der eisigen Kälte aus. Weder Tretminen von Hunden noch Zigarettenstummel, weder Glasscherben noch Kaugummis schrecken sie ab.
Ob im Urlaub oder zu Hause: Luzia Falkenbergs Füße bieten immer Gesprächsstoff. Sie sind wahre Weltmeister darin, Kontakte herzustellen. Und immer wieder wird dabei die eine Frage gestellt: "Warum?"
"Ich habe mit den Schuhen angefangen, mein Leben zu ändern", erzählt die quicklebendige 50-Jährige, die viel jünger wirkt. Und dann rückt sie mit dem wahren Grund heraus: "Meinem ersten Mann gefiel das Barfußlaufen nicht." Bei einem Ausflug vor 16 Jahren habe sie zum ersten Mal bewusst das wunderbare Gefühl erlebt, ohne Strümpfe und Schuhe über eine Wiese zu laufen. Von da an gönnte sie sich den kleinen Genuss öfter, zuerst nur im Sommer und zu Hause, dann auch mal im Auto, und schließlich wagte sie sich "unten ohne" in den Supermarkt. "Da gab es richtige kleine Auffahrunfälle mit Einkaufswagen", kichert sie.
Allerdings bekam sie in manchen Läden Hausverbot: Geschäftsführer fürchteten Regressansprüche, sollte sie sich unter ihrem Dach verletzen.
Zu Hause gab es Zoff, aber Luzia Falkenberg fand Gefallen an der neuen Freiheit. "Ich habe jung geheiratet, mit 16 Jahren, und vier Kinder bekommen. Nach der Schule hatte ich nicht einmal Zeit für eine Berufsausbildung. Ich hatte das Gefühl, etwas verpasst zu haben."
Das neue Leben nahm auf nackten Füßen seinen Lauf. Die Hornhaut wuchs, und im gleichen Tempo fand Luzia Falkenberg "ihre Mitte wieder". Entschlossen nahm sie eine Ausbildung als Altenpflegerin in Angriff. "Nur beim Vorstellungsgespräch an der Schule bin ich mir untreu geworden und habe vor der Tür Schuhe angezogen." Das war das einzige Mal, die Schulzeit in Meckenheim-Merl absolvierte sie schuhlos, ein paar Auseinandersetzungen mit der Schulleitung ertrug sie standhaft.
"Da geht nichts durch", sagt die Barfuß-Frau und zeigt die Sohlen vor, "weder Glas noch spitze Steine." Zehenspitzen, Fersen, Ballen und Außenkanten der Füße sind dunkel vom Schmutz und ein wenig grün vom Gras im Garten. Dazwischen hebt sich weiß und zart die Höhlung des Mittelfußes ab.
"Früher hatte ich Senkfüße, jetzt nicht mehr", berichtet sie und kommt darauf zu sprechen, dass Ärzte das Barfußlaufen durchaus empfehlen.
"Als ich die ersten Tage ohne Schuhe unterwegs war, bin ich abends todmüde ins Bett gefallen. Das kam daher, dass die Reize unter den Fußsohlen wie eine permanente Reflexzonenmassage wirkten."
Gute Konstitution
Ehemann Konrad Lehner wundert sich über die gute Konstitution, die seine Frau hat: "Sie ist fast nie erkältet." Das ruft insbesondere bei Frauen ungläubiges Staunen hervor. "Ständig werde ich gefragt, ob ich nicht Probleme mit der Blase oder mit den Eierstöcken hätte", verrät Luzia Falkenberg. Wenn sie im Winter gut eingemummelt, aber unten hüllenlos, auf dem Weihnachtsmarkt ein Gläschen Glühwein trinke, seien ihre Füße auch nicht kälter als die um sie herum stehenden Pelzstiefelträger.
Eine besondere Pflege für die Füße, die so viel leisten und ertragen müssen, hat Luzia Falkenberg nicht. "Sie werden ganz normal gewaschen." Dann sind sie sauber, wenn auch nicht ganz so rein wie bei Schuhträgern.
An ihrem Arbeitsplatz, einem Seniorenheim, kommt Luzia Falkenberg problemlos zurecht. Ihr Chef akzeptiert die Barfuß-Pflegerin, und die alten Leute lieben ihre unbekümmerte Art.
Aber nicht immer sind die Begegnungen mit den Mitmenschen so angenehm, "In einem Kaufhaus in Düren folgte mir der Kaufhaus-Detektiv." Sie stand in dem Verdacht, ohne Schuhe zu kommen, und klammheimlich mit Schuhen zu verschwinden. Umgekehrt eilen in Boutiquen oft eifrige Verkäuferinnen hinter ihr her, um sie an vermeintlich vergessenes Schuhwerk zu erinnern. Amüsant wird es, wenn Luzia Falkenberg ihren Ehemann beim Schuhkauf begleitet. Während der Herr teure Schuhe anprobiert, zeigt die Dame ihre Hornhaut vor. "Das sind meine Schuhsohlen".
Auf der Straße reichen die Kommentare von "Nä, wat et für ärm Lück jitt!" bis zum entrüsteten "Unmöööglich!"
In der Türkei ereiferten sich verschleierte Frauen im Basar über die entblößten Füße, und beim Bergwandern in Meran waren die Mitläufer in stämmigen Stiefeln entsetzt, dass Luzia barfuß die Schnellste war.
Während in der Natur Freiheit herrscht, pochte der Türsteher einer Diskothek in Zülpich auf die Kleiderordnung. Erst als der Geschäftsführer überzeugt wurde, dass Luzia Falkenberg glühende Zigaretten mit bloßer Fußsohle austreten kann, durfte sie auch barfuß tanzen. "Die Zigaretten - Nummer zieht immer", resümiert sie.
Grundsätzlich hat Luzia Falkenberg nichts gegen Schuhe. Im Gegenteil: "Ich mache anderen Frauen oft Komplimente für ihre schönen Schuhe."
Vor zwei Jahren wollte sie ihren eigenen, alten noch eine Chance geben. Drei Tage lang hielt sie durch, dann mussten die Treter wieder verschwinden: "Ich hatte kein Gefühl beim Gehen und bin gestolpert." 
[Rheinische Post, 07. 08. 2001]

Markus (Malo) hat sich netterweise die Mühe gemacht, diesen Bericht über die "bemerkenswert barfüßige" Luzia Falkenberg – Lehner einzuscannen und mir zuzumailen. Vielen Dank, Markus !
Faszinierend finde ich die Übereinstimmung der Erfahrungen, die sie hier gegenüber der Reporterin geäußert hat, mit denen, die im Forum geschildert wurden !
Und hier noch ein zweiter Pressebericht :

Luzia Falkenberg-Lehner läuft seit 16 Jahren nur noch barfuß
Auf nackten Füßen durch das Leben

Heimbach. Einige hundert Kilometer weiter südlich würde sie im Stadtbild gar nicht auffallen. Hier in der Eifel aber, besser gesagt in Heimbach, erregt sie permanent Aufsehen.
Luzia Falkenberg-Lehner, 1950 in Zülpich geboren und seit acht Jahren in Heimbach ansässig, trägt seit 16 Jahren weder Strümpf' noch Schuh.
Was das bedeutet, kann sich kein verweichlichter Mitteleuropäer ausmalen. Für Luzia Falkenberg, der ausgebildeten Altenpflegerin, nur eine Frage der Gewohnheit. Erste Gefühle des Wohlbefindens stellten sich bei ihr ein, als sie im Alter von 34 Jahren barfuß über eine Wiese lief. Was zunächst im Sommer begann, probierte Luzia dann auch im Winter bei Kälte, Eis und Schnee aus.
Die zunehmend dicker werdende Hornhaut unter Fersen und Ballen machten ihre Füße weitgehend unempfindlich gegen äußere Einflüsse. Zu diesen zählt nicht nur die Witterung, sondern es macht der Altenpflegerin auch nichts aus, auf spitze Steine, Glas, oder noch glühende Zigarettenkippen zu treten. Doch auch weichere Untergründe, wie zum Beispiel die Hinterlassenschaft von Hunden und Pferden oder ätzende Quallen am Nordseestrand, können Luzia Falkenberg nicht erschüttern.
Hinein in die Pfütze
Selbst auf einem Zweitausender in den Tiroler Bergen steht sie - barfuß - ihren Mann. Wenn nach starken Regenfällen große Pfützen auf dem Gehweg stehen und der "normale" Fußgänger einen Bogen darum macht, stapft Luzia Falkenberg beinahe genüsslich hindurch. Da hätte Sebastian Kneipp seine helle Freude gehabt.
Es sind beileibe keine finanziellen Gründe, die das strumpf- und schuhlose Leben der Heimbacherin erklären. Sondern mehr ein Gefühl der Freiheit und des Wohlbefindens.
Die Zülpicherin versteht den Rummel nicht, der plötzlich um ihre Person gemacht wird. Es fing schon am 26. Juli an, als sie auf dem Heimbacher Standesamt zum zweiten Mal heiratete, barfuß natürlich.
Ein Kamerateam des WDR (Aktuelle Stunde) war erschienen, musste jedoch bei Bürgermeister Pütz die Drehgenehmigung einholen. Ehemann, Konrad Lehner ( 46), von Beruf Elektroingenieur, bringt da ein gerüttelt Maß an Toleranz mit in die Ehe. "Es nervt mich aber schon, wenn ich auf hundert Meter zehn Mal angesprochen werde", erzürnt sich Luzia Falkenberg-Lehner und bekennt, dass sie mit ihrem Mann sogar Walzer tanzen kann - auf nackten Füßen. "Andere Männer haben da Hemmungen von wegen auf die Füße treten und so", lächelt die Frischvermählte.
Sohn macht es nach
Auch die Wissenschaft beginnt sich für die Fußsohlen der Heimbacherin zu interessieren. Sie bekam kürzlich einen Anruf aus der Ruhruniversität Bochum von einem Professor der Orthopädie und wird wohl bald dorthin eingeladen. Was sie besonders freut ist die Tatsache, dass eines ihrer insgesamt vier Kinder, Sohn Sebastian, 26 Jahre alt und ledig, seit sechs Jahren ebenfalls barfuß durchs Leben geht.
Dass die Sache mit den nackten Füßen endgültig ist, beweist Luzia Falkenberg-Lehner damit, dass sie jetzt einen Sack alter Schuhe (leicht verschimmelt) entsorgt hat. "Ich brauche keinen Schuster, ich brauche einen Hufschmied", lautet ihr Credo, und sie weist dabei auf die enorme Härte ihrer Fersen, Fußballen und des Außenrists hin.
[Aachener Nachrichten, 15. 08. 2001]

Hallo Forum,
endlich habe ich es mal geschafft, den Fernsehbeitrag aus "brisant" (ZDF) über Luzia Falkenberg, die seit 16 Jahren barfuß lebt, zu verschriften :

In der Anmoderation lässt sich der Moderator über Probleme beim Kauf der richtigen Schuhe aus, um dann dazu zu kommen, dass "Luzia Falkenberg keine Schuhe [trage], und das seit 16 Jahren".
"Alleine das Hinschauen tut weh" - sagt der Sprecher, als der Film beginnt - "doch Luzia Falkenberg kennt keinen Schmerz. Seit 16 Jahren bestreitet sie ihr Leben barfuß, mittlerweile sind ihre Füße auf jedem Terrain sicher und auch die Fußästhetik kommt nicht zu kurz". Als Bilder gibt es dazu zunächst eine Szene, in der sie mit dem Ballen des Linken Fußes eine Zigarettenkippe austritt, dann das Ersteigen eines Naturpfades und schließlich das Lackieren der Zehennägel zu sehen.
"Es war ein Zwangabstreifen! - sagt sie - "ich habe eigentlich viele Zwänge verspürt und konnte die nicht abstreifen und habe bei den Schuhen angefangen."
Zu den Klängen von "Barfuß im Regen" begleitet die Kamera sie über einen nassen Zebrastreifen und den Fußweg zu ihrem Arbeitsplatz in einem Seniorenheim.
Nach der Wiedergabe einiger uns durchaus vertrauter Sprüche der Wie-kann-man-nur - Kategorie (nach ihrer Beobachtung vorzugsweise von Frauen geäußert) und der zutreffenden Feststellung des Sprechers, dass es ja auch "eigentlich gar keinem weh [tue], dass Frau Falkenberg das Geld für die Schuhe spart", geben im Supermarkt zwei Damen und ein Herr zum Protokoll der Fernsehkamera, dass sie überhaupt oder jedenfalls hier nicht barfuß laufen würden.
"Im Winter läuft sie natürlich auch barfuß", erklärt der Sprecher, während die Kamera sie beim Aufstieg über eine feuchte Treppe beobachtet.
Und dann kommt die Stelle des Films, die mir besonders gut gefallen hat : im Interview, die Kamera hält mal aufs Gesicht statt auf die Füße, erzählt sie - fast beglückt erscheinend - davon, wie sie vor drei Jahren die letzten Schuhe entsorgt habe : "Hoch, schön, die waren alle verschimmelt, die waren alle in so’ nem Plastiksack, es war [betont] Spitze. Ich weiß jetzt, ich werde keine Schuhe mehr brauchen."
Zum Schlussbild werden noch einmal die bloßen Füße auf den Couchtisch gelegt und von der Kamera draufgehalten - dann sind 2:30 min und der Film über die Barfüßerin vorbei.
Serfuß
Georg

Geh-Genuss: Seit 16 Jahren barfuß durchs Leben
Von Elke Silberer, dpa
Heimbach/Rheinland (dpa) - Luzia Falkenberg ist keinesfalls «abgedreht» - auch wenn es viele denken oder sagen.
Vielleicht hat die Altenpflegerin und Mutter von vier Kindern, die seit 16 Jahren weder Schuhe noch Strümpfe trägt, sogar mehr «Bodenhaftung» als manch anderer Zeitgenosse: «Gibt es etwas Schöneres, als barfuß durch Pfützen zu gehen und den Schlamm zwischen den Zehen zu spüren?», fragt die zierliche Frau aus dem Eifelstädtchen Heimbach bei Aachen.
«Vor drei Jahren habe ich gedacht: Du gehst jetzt auf die 50 zu. Du müsstest mal wieder Schuhe anziehen», erzählt die überzeugte Barfußläuferin. «Ich bin Treppen hochgefallen, über jeden Bordstein gestolpert, ich konnte in Schuhen überhaupt nicht mehr laufen.» Dann war das Thema endgültig erledigt: Sie warf ihre 30 Paar Schuhe weg, die sie bis dahin noch aufgehoben hatte.
Luzia Falkenberg erzählt von dem Tag im Sommer 1985. Sie hatte Streit mit ihrem Mann. Als sie zu einem Ausflug ins Grüne starteten, zog sie ihre Schuhe aus. «Ich wusste, dass ihn das ärgern würde», bekennt sie freimütig. Dieser Entschluss wurde für sie zur Offenbarung: «Es war ein wunderschönes Gefühl, barfuß zu gehen», schwärmt sie.
Den Respekt vor den eisigen Wintertagen in der Eifel hat sie mittlerweile langst verloren. Mit langem Rock und dicker Jacke stapft sie barfuß durch den Schnee und genießt selbst lange Spaziergänge durch die Winterlandschaft: «Der Schnee ist an der Oberfläche etwas hart. Aber wenn man dann hineintritt, wird er weich und warm», beschreibt sie ihr Wohlgefühl.
Sicher hat sie an kalten Tagen auch kalte Füße, «aber die haben andere Frauen mit Schuhen und dicken Strümpfen auch». Das Barfußgehen hat ihre Sinne geschärft. Sie spürt, wenn der Boden besonders trocken ist, oder sich der erste Tau über die Wiesen legt. Der Blick für «Hindernisse» auf dem Weg hat ihre Wahrnehmung geschult: Nie würde sie sich an einem Nagel verletzen oder auf nassen, glitschigen Steinen ausrutschen, versichert sie.
Probleme mit ihren nackten Füßen haben nur die anderen. «Mein erster Mann ist nirgends mehr mit mir hingegangen», erinnert sich Luzia Falkenberg. Auch ihre Mutter habe die nackten Füße der Tochter nicht akzeptiert. Fürs offizielle Familienfoto zur Goldenen Hochzeit musste sie Schuhe anziehen. In ihrem Wohnort haben sich die Menschen zwar an ihren Anblick gewöhnt. Aber in manchen Gesichtern liest sie, was vor allem Frauen von ihr halten.
«Männer sind da viel toleranter», meint sie. Dass bis auf ihren Mann kein anderes männliches Wesen mehr mit ihr tanzen möchte, interpretiert sie als reine Vorsorge vor möglichen für sie schmerzhaften Fehltritten. Sie selbst betreibt mit munteren «Warnfarben» auf ihren Zehnägeln Selbstschutz. Wohlwollen schenken ihr die alten Menschen, denen die Altenpflegerin täglich begegnet. Die machen ihr allerdings auch bewusst, dass man im Alter die Fähigkeit verlieren kann, den eigenen Willen zu äußern. «Ich habe meinen Kindern gesagt: Wenn ich mal ins Heim komme, dann sagt den Pflegern, dass ich keine Pantoffeln haben will.»
[Salzgitter-Zeitung (und viele andere), 29. 11. 2001]

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