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Wolfram und Johann - zwei Barfußbergwanderer
Mit schnellem Schritt und kalter Sohle
Barfuß auf die Hochries
Was hätten
die Leute nicht alles schon zu ihm gesagt.
"Jesus!" - "Yeti!" -
Ob die Schuhe nicht passen würden? - Ob er Blasen an den Füßen habe?
Wolfram
von Oy quittiert Kommentare dieser Art in der Regel mit einem Schulterzucken.
Sollen sich die anderen Wanderer doch darüber wundern, dass er ohne Schuhe in
die Berge geht. Ihm, sagt er, ihm mache das Barfuß - Laufen jedenfalls Spaß:
Sogar der Winter bringt von Oy nicht dazu, Schuhe anzuziehen.
Im vergangenen
Jahr stieg er zum Beispiel auf die Pyramidenspitze, barfuß durch knietiefen
Schnee. Als er an einer Gruppe von Skitourengehern vorbeigegangen sei, sagt er,
wären deren Gespräche verebbt. "Ich glaube, ich hab' was mit den
Augen", habe einer der Skifahrer gesagt. Noch heute schmunzelt von Oy, wenn
er an diese Begegnung denkt. Er lacht darüber, mehr in sich hinein allerdings
als nach außen.
Denn auffallen, das ist das Letzte, was sich von Oy vom Barfuß - Bergsteigen verspricht. Und dies wiederum macht den Mann mit dem
Pferdeschwanz, dem grünen Anhänger um den Hals und den Armreif am Handgelenk
viel interessanter als die Tatsache, dass er ohne Schuhe ins Gebirge geht.
Seit
20 Jahren bereits geht der 42jährige aus Griesstätt barfuß in die Berge. Eine
Freundin habe ihn dazu gebracht, erzählt er. Das war damals, als ziemlich viele
Menschen ohne Schuhe herumgelaufen sind und sich Hippies nannten. Diese Freundin
jedenfalls sei auch bei einer gemeinsamen Tour auf die Hochries, einem 1569
Meter hohen Berg im Chiemgau, barfuß gelaufen. "Und da habe ich mir halt
gedacht, das probierst jetzt auch mal." Große Schmerzen habe er gehabt,
aber trotzdem durchgehalten. Heute ist das Barfuß - Laufen zum Hobby des
gelernten Gärtners geworden, der jede freie Minute im Gebirge verbringt.
Über
die Jahre ist die Hochries zu seinem Hausberg geworden. 126 Mal ist er schon
barfuß auf diesen schönen Aussichtsberg gelaufen. Zum Training einerseits,
andererseits aber auch, um sich zu besinnen, zu konzentrieren.
Denn das Barfuß - Laufen, sagt von Oy, sei für ihn die beste Methode, "seelischen
Druck abzubauen." Daneben gibt es aber auch noch den sportlichen Aspekt
seiner Freizeitbeschäftigung, der dazu führt, dass von Oy immer extremere
Touren unternimmt - mit den Schuhen im Rucksack, um sie für den Abstieg
anzuziehen. In der Steinernen Rinne im Wilden Kaiser ist er öfters, oder auf
den Bergen im Berchtesgadener Land. Irgendwann würde er gerne den Großglockner
besteigen.
[Bayrischer Rundfunk bergauf - bergab, zur Sendung vom 22. 10.
1998]
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«Den Füßen geht es prima» - Rentner zum 100. Mal barfuß auf der
Zugspitze
BM/dpa Garmisch-Partenkirchen - Was andere nicht mal in
Bergausrüstung schaffen, macht Johann Sanktjohanser ohne Schuhe und in gut drei
Stunden: Zum 100. Mal hat der Rentner aus Garmisch - Partenkirchen barfuß
Deutschlands höchsten Berg, die 2963 Meter hohe Zugspitze, bezwungen.
«Danke,
den Füßen geht es prima», sagte der 65jährige Rentner am Sonnabend nach
seiner Tour über Fels, Eis und Schnee. «Blasen kenn' ich fast gar nicht, weil
ich fast immer barfuß laufe.»
Seine Füße hat der Oberbayer systematisch mit
Eisbädern und Stehen auf Nagelbrettern abgehärtet. Zum ersten Mal kraxelte
Sanktjohanser vor genau zehn Jahren ohne Schuhe auf die Zugspitze, am 23. Juli
1988.
Der Kraftfahrer litt damals unter Bewegungsmangel, wollte aber seine
Füße nicht in schwere Bergstiefel zwängen. Was damals noch Herausforderung
und Wagnis war, ist inzwischen «reine Routine» für den Bergsteiger. Überall,
wo man nicht klettern muss, rennt der Oberbayer im Laufschritt bergan. «Auch am
Sonntag vor eine Woche war ich barfuß auf der Zugspitze, insgesamt hab' ich das
schon siebenmal in diesem Jahr gemacht.»
Bis zu seinem 70. Geburtstag will der
Rentner den Berg genau 200 mal ohne Schuhe bestiegen haben. Vor dem 100.
Aufstieg verordnete sich der Rentner eine besonders harte Vorbereitung, «weil
es so heiß war und da die Zellen leicht absterben». Eineinhalb Stunden hielt
er seine Füße in eine mit Eiswürfeln gefüllte Wanne, dann stand er noch 30
Minuten auf einem Nagelbrett. «Das aktiviert die Fußsohlen», hat der
65jährige festgestellt.
Schlecht geht es seinen Füßen nur, wenn er sie in
Schuhe zwängen muss. «Das sieht ja nicht gut aus, wenn man barfuß zum
Einkaufen geht.»
[Berliner Morgenpost, 26. 07. 1998]
Was das Einkaufen anbetrifft, sind wir anderer Meinung
!
Barfuß über Feuer, Stein und Eis
Johann Sanktjohanser und sein Jubiläum
Garmisch-Partenkirchen - Eine Elefantenhaut an den Füßen hat er
nicht. Auch wenn das mancher glauben möchte. Denn Johann Sanktjohanser läuft
barfuß dorthin, wo viele nur mit Seilbahn und schwerem Bergschuh hinkommen, auf
die Zugspitze - und das bereits zum 200. Mal.
Genau genommen unterscheiden sich seine Füße nicht von anderen, sind ganz
normal. Inspiriert wurde der heute 70-Jährige von einer südafrikanischen
Cross-Läuferin, die all ihren Konkurrentinnen davonlief, obwohl sie kein
Schuhwerk trug. "Ich hatte am Anfang schon Angst", in etwas
hineinzutreten, erinnert sich Sanktjohanser. Er lief zuerst meistens in Richtung
Kochelbergalm - im Ort noch mit Schuhen, außerhalb ohne. "Ich hab` sie
dann versteckt, damit es keiner sieht." Eine Woche später, im Jahre 1988,
wagte er sich dann in Begleitung an Deutschlands höchsten Berg. Stöcke,
Verbandszeug und Schuhe für den Notfall waren natürlich auch dabei.
Für seinen diesjährigen Jubiläumslauf, der insgesamt 6,5 Stunden dauerte, hat
sich der ehemalige Kraftfahrer zusätzlich noch etwas Besonderes ausgedacht. Bis
zur Bockhütte meisterte er den Weg rückwärts in Sandalen. Eine Idee, die er
ebenfalls zuerst im Fernsehen sah. Für die Muskulatur sei das eine Umstellung
gewesen. "Es war ganz schön mühsam", erzählt der
Garmisch-Partenkirchner. Insgesamt habe er heuer rund 100 Kilometer auf diese
Art bewältigt.
Hingegen eher problemlos empfand Sanktjohanser seinen ersten Lauf über
glühende Holzkohle. "Da war ich selbst erstaunt", sagt der zweifache
Familienvater. "Ich bin auch schon von einem Hocker auf Glasscherben
gehüpft." Dies alles diene der Abhärtung, aber ein Reiz sei für ihn auch
dabei. So steht hinter der Wohnzimmertür ein selbstgebasteltes Nagelbrett, auf
das er hin und wieder steigt. Und für ein Eisbad sei auch alles im Gefrierfach
parat - für einen Barfußläufer sei das fast alles Pflichtprogramm. Ebenso wie
das Ohne-Schuhe-Laufen im Winter. Frischer Schnee und um die Null Grad -
"das ist für mich ein Highlight."
Doch für einen so passionierten Barfüßler sind Schuhe und vor allem Socken
reiner Zwang. "Ich bin froh, wenn ich sie wieder ausziehen kann",
gesteht Sanktjohanser. Außer beim Motorradfahren. Aber das sei auch fast die
einzige Ausnahme.
Veronika Schandl
[Murnauer Tagblatt, 09. 09. 2003]
Ich komme auch ohne das "Pflichtprogramm" von Johann ganz gut
zurecht - im übrigen: Respekt!
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Knud
- der Wattpostbote
(Forumbeitrag im Herbst 2002)
Auf der Insel – mit dem Halligpostboten unterwegs nach Süderoog: "Hier
kann man noch echt bis ans Ende der Welt gucken"
Knud Knudsen, der Jens Jensen beerbte [...]
Pellworm , Anfang September–Alles hat hier seine Zeit. Die Ebbe, die Flut und
der Wattpostbote. Vielleicht liegt es an der Schlickwüste, dieser archaischen
Welt vor dem Deich. Von Wasseradern durchzogen, die im Sonnenlicht glitzern, von
Myriaden von Würmern durchpflügt. Oder an der ungewohnten Gewissheit, dass man
hier draußen, jenseits der schützenden Erdwälle, den Gang der Welt durch
keinen zivilisatorischen Eingriff auch nur eine Sekunde lang zu beeinflussen
vermag. Das Wasser kommt, das Wasser geht, mit kosmischer Präzision. Vielleicht
macht es aber auch das überwältigende Gefühl der eigenen Winzigkeit und
Ohnmacht [...]
Und taucht nicht, der nach dem Rückzug der Wasser gestrandeten Arche Noah
gleich, in der Ferne, inmitten der feuchten Wüstenei, eine kleine Insel am
flirrenden Spätsommer-Horizont auf? Erst ist es nur ein schwarzer Fleck, doch
dann, auf halben Weg, der Kompass zeigt 245 Grad Südwest, wächst aus der
schlickig-graubraunen Ödnis ein grüner Streifen, auf dem friedlich Rinder
grasen und Pferde und Schafe, Gänse die Neuankömmlinge schreiend ankündigen,
Hühner gackern, Hunde bellen. In der Mitte ein aus roten Ziegeln gemauertes
Gehöft, von einem gaubenbestandenen Reetdach bedeckt, unter dem Schwalben
nisten.
"Ein Idyll", sagt Knud Knudsen in seiner eher nüchternen Sprache, die
es nicht gewohnt ist, viel Worte um Sachen zu machen, die doch eigentlich auf
der Hand liegen müssten. Denn was, wenn nicht ein solches Eiland, das nur von
Tieren und einer Frau und einem Mann bewohnt wird, könnte heutzutage
tatsächlich besser den Inbegriff eines friedvollen, einfachen Lebens in
ländlicher Abgeschiedenheit abgeben? Noch dazu abgeschirmt von den Zumutungen
der Zivilisation durch den natürlichen Gezeitenwechsel, die Tide. Zweimal in
der Woche nähert sich Knud Knudsen dieser Welt abseits der alltäglichen
Erfahrungen an. Knudsen ist Wattpostbote, ein Sendbote in die Einsamkeit.
Von der Nordseeinsel Pellworm aus, ziemlich weit oben an der schleswig -
holsteinischen Westküste, bringt er die Post zu Fuß quer durchs Watt zur
Hallig Süderoog, sieben Kilometer Fußmarsch meerwärts vor Pellworm gelegen.
Süderoog, das sind etwa 62 Hektar Grünland. Wenn die Zeichen gerade nicht auf
Sturm stehen. Denn eine Hallig ist nicht wie zum Beispiel die Insel Pellworm von
einem Ring acht Meter hoher Deiche umgeben, der die Äcker und Wiesen der Insel
und die Häuser mit ihren Menschen vor dem Ansturm brachialer Naturgewalt
schützen soll. Bei Sturmflut ist auf der Hallig Land unter, nur die Warft, der
Erdhügel, auf dem das Haus steht, ragt aus dem tosenden Meer [...]
Ziemlich selten dürfte es heutzutage sein, dass sich ein Briefzusteller für
einen einzelnen Kunden vier, fünf Stunden auf den Weg macht. [...] Durch drei
Priele muss er ziehen. Drei dieser Mäander im Sand queren, durch die das Meer
zurückweicht und wiederkommt. Drei dieser natürlichen Kanäle, in denen die
Muscheln freigespült werden mit Kanten, mitunter scharf wie Messerklingen.
Bei ablaufendem Wasser stapft Knud Knudsen los, aufrecht, mit federndem Gang und
Riesenschritten, den gelben Postsack auf dem Rücken. Auf dem nackten,
sonnenverbrannten Rücken. Denn Knudsen trägt Shorts und sonst nichts, eine
abgeschnittene, ausgefranste Jeans, zusammengehalten durch einen schwarzen
Lederriemen. Manchmal muss er durch hüfthohes Wasser, was soll er da anderes
anziehen? Mit bloßen Füßen läuft er ohnehin, solange es nur irgend geht. Im
vergangenen Jahr bis in den Dezember hinein. "Ich bin Extremes
gewohnt", sagt er. Erst dann zieht er eine bis zur Brust reichende,
wasserdichte Hose an, weil er sonst doch zu sehr auskühlen würde auf den vier
Stunden draußen im Watt. "Man wird dann nicht mehr richtig trocken."
Aber auf der Insel trägt er selbst im Winter keine Schuhe. Warum? "Das ist
halt so", sagt Knud Knudsen, der auf Fragen schon einmal nicht antwortet,
auf Fragen, die er für überflüssig hält [...] Knudsen ist allerdings kein
Postangestellter. Denn eigentlich ist er als Wasserbauer beschäftigt, einer von
rund 300, die zwischen dänischer Grenze und Elmshorn vor den Toren Hamburgs die
Deiche des Landes in Schuss halten. Den Postgang erledigt er in seiner Freizeit,
nach Feierabend geht er "noch schnell mal rüber" und ist dann auch
mal erst um Mitternacht wieder zu Hause. Mit Hilfe seines Kompasses hat er keine
Mühe, den Weg zu finden. Er schreibt der Deutschen Post regelmäßig eine
Rechnung: 40,90 Euro pro Tour. [...]
Der Wert des Barfüßlers
Knud Knudsen hat schon eine gewisse Berühmtheit auf Pellworm erlangt. Die
Kurverwaltung hat den touristischen Wert des Barfüßlers für die Insel, wo
sich ansonsten eher die Schafe gute Nacht sagen, längst entdeckt und bietet die
Postzustellung nach Süderoog als besondere Attraktion an [...]
Das tut er auf der Hallig nun wirklich nicht. Vor das offen stehende
Küchenfenster mit den weißen Sprossen und Gardinen, auf deren Muster sich die
Leinwände von Seglern im Wind blähen, haben der Mann und die Frau eine Bank
aufgestellt. Dort schlürft Knudsen jetzt einen Becher Kaffee, schwarz, leert
einen Teller Kartoffelsuppe, der randvoll aus dem niedrigen Fenster gereicht
wird. "Noch nie", sagt er, "bin ich mit leerem Magen
zurückgegangen." Und auf Plattdeutsch redet und quasselt er dann mit den
beiden von der Hallig. Spätestens in einer Stunde muss er ja wieder ziehen.
Alles hier hat eben seine Zeit.
[Süddeutsche Zeitung, 03. 09. 2002]
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