[Keine Provokation, nur Wohlbefinden : recht hat er, der Bruno R.]

[Nacktfüßig zu jeder Jahreszeit: Adrian M.]

Keine Provokation, nur Wohlbefinden: recht hat er, der Bruno R.
(Forumbeitrag im Winter 1999/2000)

Bruno Ruosch (50), Barfuß - Läufer aus Gommiswald, zu Kälte, Kinesiologie und Knochen
Er führt in Gommiswald eine Praxis für Kinesiologie und Meditation und berät dabei Menschen in gesundheitlichen Belangen. Er ist Sommer wie Winter barfuß unterwegs, und beim FC Herrliberg engagiert er sich als Masseur und Mentalbetreuer: Bruno Ruosch. [...]
Bruno Ruosch, zuerst zum Barfuß - Laufen. Wie sind Sie darauf gekommen?
Bruno Ruosch: Als Kind lief ich fast immer barfuß herum. Als Erwachsener kam ich erst vor fünf Jahren wieder auf den Geschmack. Ich besuchte auf Hawaii ein Seminar im Bereich Persönlichkeitsfindung. Nach drei Tagen Aufenthalt in den Kursräumen hatte ich genug: Ich benötigte eine Luftveränderung. In Badefinken zog ich ins Freie. Plötzlich verspürte ich das Bedürfnis, barfuß weiterzulaufen. Das tat ich dann auch. Dieses bewusste Empfinden und die Verbundenheit mit der Erde waren für mich einmalige Erlebnisse, durch die ich mir bewusst wurde, dass die Gesundheitsvorsorge künftig mein Tätigkeitsbereich sein würde. Dadurch kam ich auf die Bereiche Kinesiologie und Meditation.
Und Sie spazieren tatsächlich auch im Winter barfuß durch Gommiswald?
Bruno Ruosch: Ja. Nicht nur durch Gommiswald, sondern überall hin. Vorgestern Abend beispielsweise gaben wir mit der Musikgesellschaft Alpenrösli für ein Mitglied ein Geburtstags-Ständchen. Da ging ich auch barfuß hin. Überhaupt laufe ich Sommer und Winter fast immer barfuß herum. Mir wird je länger, je mehr bewusst, wie stark ich diesen starken Bezug zur Erde für meine Gesundheit brauche. Dabei geht es nie um eine Provokation, sondern nur um mein persönliches Wohlbefinden.
Wann stoßen Sie damit an Ihre Grenzen?
Bruno Ruosch: Im Winter kann ich momentan bis zu knapp einer Stunde barfuß im Schnee unterwegs sein. Länger liegt ohne mentale Vorbereitung noch nicht drin, was ich auch nicht bewusst suche. Wichtig ist für mich, die Empfindungen von frischem Schnee, von Wasser, Steinen, Naturstrassen oder Wiesen zu spüren und in mich aufnehmen zu können. Wasser, Sand und Wiesen bevorzuge ich, und im Sommer kommt der Vorteil hinzu, dass diese Barfuß - Wanderungen zeitlich unbegrenzt möglich sind.
Opernbesuche unternehmen Sie auch barfuß?
Bruno Ruosch: Nein. Wie gesagt, ich will die Leute um mich herum nicht vor den Kopf stoßen. Deshalb gibt es gewisse Anlässe, die ich in Schuhen besuche. Kürzlich nahm ich eine Einladung zum Essen an. Dabei fragte mich die Gastgeberin, ob es nicht möglich wäre in Schuhen zu kommen, weil einige Gäste sonst vielleicht brüskiert reagieren könnten. Natürlich erfüllte ich ihr den Wunsch. Ein anderes Beispiel sind sämtliche Auftritte unserer Musikgesellschaft in Uniform: Da gehört das Schuhwerk einfach dazu.
Benötigen Sie für diese Barfuß - Läufe eine spezielle Vorbereitung?
Bruno Ruosch: Bis zu einer halben Stunde, manchmal auch länger, geht es gänzlich ohne Vorbereitung. Bei längeren Zeitspannen von bis zu einer Stunde schadet eine mentale Vorbereitung nie. Entscheidend ist immer auch, was man während dieser Zeit macht. Silvester feierte ich an einer Schneebar im Freien. Dabei war ich dermaßen in Gespräche vertieft, dass ich von der Kälte nichts mitbekam. Schlimm für meine Füße ist das Streusalz. Dieses brennt an meinen Fußsohlen. Dann muss ich jeweils schnell auf ungesalzenen Schnee wechseln und meine Füße sauber reiben.
Die Reaktionen der Leute?
Bruno Ruosch: Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich keine negativen Reaktionen bekomme. Viele Leute kommen durch mich darauf, das Barfuß - Laufen auch wieder vermehrt zu pflegen, andere wollen etwas über meine Beweggründe erfahren, und schließlich gibt es solche, die fragen, ob das nicht gefährlich ist. Das ist es nicht. Und krank bin ich, bis auf kleinere Schnupfen, und die meistens im Sommer, auch nie. Vielen Leuten erkläre ich auch, dass ich durch das Barfuß - Laufen nicht die Öffentlichkeit suche, sondern bewusst etwas für meine Gesundheit mache.
Sie führen eine Praxis für Kinesiologie. In welchen Bereichen sind Sie da tätig?
Bruno Ruosch: Nach Aus- und Weiterbildungen in «Touch for Health», Psychokinesiologie, Wirbelsäulenkorrekturen [...] und Meditation geht es mir grundsätzlich darum, den Mitmenschen eine ganzheitliche Gesundheitsvorsorge anzubieten. «Touch for Health» gehört zum Bereich der Präventivmedizin und dient der körperlichen, geistigen und seelischen Erhaltung der Gesundheit. In der Psychokinesiologie geht es um die Unterstützung und Hilfe beim Auflösen von alten Strukturen, Schocks und Traumas. Wirbelsäulenkorrekturen und Meditation ergänzen diese Tätigkeiten.
Wie wichtig ist für Sie die Meditation?
Bruno Ruosch: Zur Bewältigung von Stress im Alltag, zur Selbstfindung oder einfach als Entspannung hat die Meditation eine große Bedeutung. Für mich persönlich gehört Meditieren zum Alltag. [...]
Und der Job als Masseur und Mental-Betreuer der Spieler des Fußballclubs Herrliberg: Eine Herausforderung?
Bruno Ruosch: Ja. Bestimmt. Es handelt sich um eine junge Mannschaft, in der eine familiäre Stimmung herrscht. Die Arbeit dort gehört zu meinem Aufbau und bringt mir gute Erfahrungen. Die Prävention ist für alle, auch für Nichtsportler, entscheidend. Das wird insbesondere jenen schlagartig bewusst, die krank werden oder geworden sind.
[Südostschweiz Presse AG, 19. 01. 2000]

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Nacktfüßig zu jeder Jahreszeit: Adrian M.

Ob Sommer, ob Winter - der Burgdorfer Kabarettist und Radiomoderator Adrian Merz verzichtet auf das Schuhwerk. Pickelhart. «Man erlebt die Umwelt dabei wesentlich intensiver», lautet seine Bilanz. [...]
Letzten Sommer war er stets barfuß unterwegs. Das fiel nicht weiter auf, denn es war ja ein ausnehmend heißer Sommer. Als er aber mitten im Herbst immer noch barfuß durch Burgdorfs Gassen wandelte, fragte sich der eine und andere Passant, ob der junge Mann wohl nicht langsam friere. Der Winter kam, es wurde kalt, Schnee und Eis bedeckten zeitweise den Boden. Und noch immer schritt der Unentwegte barfuß einher. Jetzt wurde klar: Der Mann verzichtet definitiv auf schützendes und wärmendes Schuhwerk.
«Ich habe im Herbst ganz einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst, wieder in die Schuhe zu schlüpfen», sagt Adrian Merz lächelnd. «Und dann habe ich's halt durchgezogen. » Und nie gekneift? «Nie. » Eine Ausnahme mache er nur, wenn er als Akteur auf der Bühne stehe. Zum Image des Cabavari-Ensembles gehöre es nun einmal, gut angezogen zu sein - «und dazu braucht es Schuhe», erklärt der 30-jährige Burgdorfer Kabarettist, der bei Radio Emme auch als Moderator arbeitet. «Beim Snowboarden sind Schuhe übrigens auch unverzichtbar», schiebt er nach.
Pieksende Steinchen
barfuß gehen muss auf die Dauer eine Qual sein, denkt der Laie. Adrian Merz weiß es unterdessen besser. «Man kann es bis zu einem gewissen Grad mental steuern», führt er aus. «Ich habe mir vorgenommen, mich von Glasscherben am Boden nicht schneiden zu lassen - und bis jetzt hat mich tatsächlich noch keine geschnitten, auch wenn ich versehentlich auf eine trat. » Unangenehm seien dagegen auf der Strasse festgefrorene Rollsplittsteinchen. «Die pieksen ganz schön. » Er habe nämlich trotz seiner ausgiebigen Barfußgängerei keine zentimeterdicke Hornhaut an den Fußsohlen. «Wahrscheinlich zwar eine dickere als andere Leute, aber sie verhindert nicht, dass ich nach wie vor alles spüre. »
Auch an die Kälte habe er sich erst gewöhnen müssen. «Wenn ich frühmorgens bei minus zehn Grad zum Bahnhof unterwegs bin, kriege ich nach wie vor kalte Füße; dafür wärmen sie sich schneller als früher wieder auf, sobald ich im Zug sitze. » Auch sonst mache ihm Kälte nicht mehr viel aus. Er trage im Winter bloß ein langärmeliges T-Shirt und darüber ein Gilet. «Wenn es sehr kalt ist, stopfe ich das Shirt in die Hose, das ist die einzige Konzession an die Kälte. » Diesen Winter habe er sich noch kein einziges Mal erkältet.
Das Schneegefühl
Auf nacktem Fuß zu leben hat durchaus seine Vorteile. «Man verpasst sich dabei laufend eine Fußmassage, fühlt sich irgendwie wacher, angeregter», weiß Adrian Merz. Zudem erlebe man die Umwelt intensiver. «Wenn ich an einer Lärche vorbeikomme, die gerade ihre Nadeln hat fallen lassen, nehme ich das heute deutlicher wahr als früher - weil ich es jetzt eben an den Sohlen spüre. » Und wenn die feinkörnige Kiesschicht auf der Brüder-Schnell-Terrasse in Burgdorf eine drei Zentimeter dicke Schneeschicht habe, «geht es sich darauf angenehmer als auf jedem Teppich».
Wie reagieren die Leute auf den Nacktfüßigen? «Ich werde oft darauf angesprochen, und das durchaus im positiven Sinn», berichtet Merz. Er fügt schmunzelnd an: «Ich bin aber auch schon aus einer Beiz geflogen, aus dem ‹Rock 'n' Eat› in Bern. » Und am letzten Markt in Burgdorf habe ihn einer angedonnert, ob es denn eigentlich noch gehe, sich bewusst dem Risiko des Krankwerdens auszusetzen, wo doch die Krankenkassenprämien immer mehr anstiegen. Merz nimmt derlei gelassen: «Diese Episode hat mich eher amüsiert. »
Wie kam er eigentlich auf das Barfußlaufen? Letzten Juni und Juli sei er hoch im kanadischen Norden auf einer Kajaktour gewesen und habe es einfach nicht geschafft, seine Schuhe irgendwann trocken zu kriegen, erzählt er. «Dabei rückte die Schuhproblematik bereits in mein Blickfeld. » Als Merz wieder zu Hause in Burgdorf war, ging's gleich weiter: «In der ausgeprägten Sommerhitze versuchte ich es mit Sandalen, fühlte mich darin aber nicht wohl. » Also löste er das Problem, indem er auf Schuhe gleich ganz verzichtete. «Man kann das durchaus philosophisch sehen», sinniert er. «Unsere Welt ist so kompliziert geworden, dass einfache Lösungen durchaus ihre Verführungskraft haben. »
Wird Adrian Merz seine Füße eines winterlich kalten Tages wieder in Schuhe kleiden? Er zuckt mit den Schultern. «Ich weiß es nicht. barfuß gehen ist ja auch nicht etwas, das man sich einfach so vornimmt wie zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören. »
[Berner Zeitung, 11. März 2004]

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