Nur
in den Gottesdienst geht Katja nie barfuß
(Forumbeiträge seit Frühling 2001)
Habt ihr heute auch so einen tollen Barfuß - Tag?
Ich bin heute Morgen um 7.00
Uhr aus dem Haus, da hatten wir ca. 14 Grad. Ich also in langen Jeans, T-Shirt und Windjacke und natürlich barfuß (brauch ich ja langsam nicht mehr zu
erwähnen!) auf die Strasse und in die Schule. Ist immer ein tolles Gefühl, die
noch kühlen Steine unter den Füssen zu spüren.
Alles in allem habe ich heute
wohl schon meine 10km barfuß zurückgelegt. War nach der Schule noch mit einer
Freundin bummeln und Eisessen und bin anschließend noch mit dem Fahrrad zu
einem Bekannten geradelt.
Warum ich solch belanglose Berichte schreibe? - Na, um denen, die noch ein
wenig Angst vorm Barfußlaufen in der Öffentlichkeit haben, zu zeigen, dass man
ganz normal seinen täglichen Pflichten nachkommen kann, ohne dabei auf Schuhe
angewiesen zu sein.
Ich gebe ja zu, dass ich etwas extrem bin, aber es geht. Und
warum sollte ich dann nicht auch meinen Gefühlen freien Lauf lassen?
Wie
gesagt, das einzige, was ich beschuht tue, ist der für mich sehr wichtige
Gottesdienstbesuch jeden Sonntag, ansonsten gönne ich den Füssen alle
Freiheit, die sie brauchen ...
Liebe Grüße, und schwarze Sohlen wünscht allen hier im Forum
Katja M.
Mich würde mal interessieren, welcher Konfession Du bist. Ich bin russisch-
orthodox, und bei uns sind nackte Füße in der Kirche anscheinend anstößig,
ohne dass ich es direkt bemerkt hätte, geschweige denn den grund dafür wüsste.
Ich bin bei uns in der Gemeinde Altardiener und wurde dafür, dass ich Sandalen
an den nackten Füßen trug, vom Priestern dafür kräftig gerüffelt und
gescholten. Als ich nach der Rechtsgrundlage für den Rüffel fragte und zu
meiner Rechtfertigung die Bibel zitierte (Ex 3,5; Lk 10,4), erzählte er was von
irgendwelchen internen Vorschriften, nach welchen geschlossene dunkle Schuhe
für die im Altarraum Mitwirkenden Pflicht seien.
Das überzeugt mich zwar
nicht, aber zum einen ist mir der Gottesdienst im Zweifel wichtiger als das
Barfußlaufen (wozu ich außerhalb des Gottesdientes genügend Gelegenheit
finde), und zum anderen muss ich ja auch im Beruf Schuhe tragen, und da muss auch in der Kirche ein
Kompromiss insofern ausreichen, als ich keine Socken
trage, und damit bin ich sogar im Hochsommer so ziemlich der einzige, denn
ansonsten sehe ich in der Kirche kaum jemanden ohne Socken.
Die einzige
"vernünftige" Erklärung dafür, dass Barfüßigkeit in der Kirche
verpönt ist, besteht m. E. darin, dass wir Gott in der Kirche unser Bestes
anbieten sollen, und dazu zählt nach traditioneller Auffassung auch
"gute" Kleidung einschließlich der Schuhe und Strümpfe, zumal
barfuß seit alters als armselig (wiewohl Jesus gerade die Armen selig preist)
und lumpig gilt. Deshalb ist bei uns auch Schuhwerk, das als unangemessen
angesehen wird, wie beispielsweise Turnschuhe, Westernstiefel etc. verpönt. So
ist es halt bei uns.
Herzliche Barfußgrüße,
Markus U.
Zuerst meine Bewunderung für Deine Barfußaktivitäten!
Ich genieße ebenso die morgendliche Kühle, finde sie nicht unangenehm,
sondern reizvoll.
Wenn die Sonne bereits scheint, der Himmel blau ist und die Vögel
zwitschern, dann habe ich auch etwas Geduld, bis der Boden warm wird.
Die Freude, barfuß sein zu können überwiegt hier klar irgendwelchen
unangenehmen Gefühlen.
Du beweist viel Mut (ganzjährig Barfuß) aber auch Fingerspitzengefühl
(Gottesdienstbesuch).
Ich höre zwar bei gut 10 Grad im Spätherbst auf, barfuß zu gehen, da ich
aber evangelisch - freikirchlich bzw. JesusFreak bin, habe ich keine Probleme
damit, barfuß den Gottesdienst bzw. den Abhänge - Abend zu besuchen.
Auch sonst habe ich mein Umfeld schon so weit "trainiert", dass sie
meine Barfüßigkeit akzeptieren, egal ob auf dem Stadtfest, im Kino oder beim
Umzug :-)))
Lieben Gruß Dir und allen BarfüßerInnen dieser Welt und allezeit freie
Zehen
wünscht Franek :-)
Ich denke über religiöse Fragen kann man nicht diskutieren, aber sich
gegenseitig seine Standpunkte vorzustellen scheint mir einen gute Möglichkeit,
eigene Reflektion anzustoßen. Also:
Ich kann mir nicht vorstellen, barfuß in den Gottesdienst zu gehen. Ich sage
jedoch wohlgemerkt nicht: eine Kirche zu betreten, denn gelegentlich übe ich
barfuß an der Orgel, da ich sowieso kaum Pedal spiele.
Das Gebot, mit Schuhen
zur Kirche zu gehen stammt aus einer Zeit, als das Barfußlaufen zumindest im
Sommer wohl noch der überwiegende Zustand im Alltag war und religiöse
Traditionen sollte man, um anderen keinen Anstoß zu geben, nicht provozierend
brechen.
In vielen Gemeinden (jedenfalls in Württemberg) gibt es aber
"Gottesdienste im Grünen", diese Veranstaltungen finden, wie der Name
schon sagt, meist auf einer gemähten Wiese statt und sind ein geeigneter Rahmen,
barfuß vor Gott zu treten, ohne seine Mitchristen zu stören. Vielleicht lässt
sich ja bei entstehenden Gesprächen auch sondieren, warum Jesus heute gebeten
würde Schuhe anzuziehen, bevor er in eine seiner Kirchen geht ...
Zu diesen Freiluft - Gottesdiensten gibt es auch eine Broschüre, wo alle Veranstaltungen
einer Saison aufgeführt sind und so kann man im Sommer in der näheren Umgebung
öfters barfüßig zum Zuge kommen.
Viele Füße
Samuel
[ einzige, was ich beschuht tue, ist
Gottesdienstbesuch jeden Sonntag]
Ich konnte nie einen Grund finden, warum beschuhter Gottesdienstbesuch
besonders gottgefällig sein soll. Da ich jedoch die Gefühle anderer
Kirchgänger nicht verletzen will, habe ich damit lange gezögert, bis ich es
letztes Jahr doch einige Male riskiert habe.
Ausschlaggebend war für mich, dass die Bibel es an mehreren Stellen fordert, barfuß vor Gott zu treten. Die
bekannteste Stelle kommt kurz vor der Übergabe der zehn Gebote: "Gott
sprach zu Moses: zieh' deine Schuhe aus, denn Du stehst auf heiligem
Boden."
Im Islam nimmt man das auch ernst und geht auf keinen Fall mit
Schuhen in die Moschee. Warum das Christentum dies ins Gegenteil verkehrt hat, ist mir nicht
nachvollziehbar.
Im Mittelalter ging man bei besonders strengen Orden barfuß --
und das galt als besonders fromm.
Auf jeden Fall hat an meinen unbeschuhten Kirchgängen niemand Anstoß
genommen, wobei ich dies allerdings nur bei sommerlicher Wärme tue, denn
barfuß in einer kalten Kirche stillzusitzen taugt mir nicht so recht. Da bei
schönem Sommerwetter ohnehin fast niemand in die Kirche geht, ist man auch als
Barfüßer hochwillkommen.
Übrigens: das Altarbild unserer Kirche zeigt einen barfüßigen Jesus!
Schöne Füße, Lorenz
Hallo Lorenz!!!
Obwohl ich fast immer deiner Meinung bin, muss ich dir jetzt doch
widersprechen.
Weißt du, ich bin so froh, dass ich in unserem beschaulichen
kleinen Dorf (ca. 1600 Ew) vollständig als Ganzjahresbarfüßerin akzeptiert
bin, dass noch nicht mal mehr ein dummer Spruch kommt, wenn ich ohne Schuhe
durch den Winter laufe.
Ich finde, das ist etwas, wofür ich dankbar sein
sollte, und was ich nicht durch Provokation auf´s Spiel setzen sollte. Denn
leider Gottes gehen heutzutage fast nur noch ältere Leute in die Kirche, und
die sind halt gerade was den Gottesdienst betrifft sehr konservativ eingestellt.
Und da diese Menschen mir den Gefallen tun und ich auf der Strasse von ihnen
keinen Kommentar über meine Barfüßigkeit höre, noch nicht mal bei Schnee,
dann tu ich ihnen eben den Gefallen und reize sie nicht durch barfüßiges
Erscheinen im Gottesdienst.
Ich finde, ein gutes Zusammenleben funktioniert auf der Basis von Geben und
Nehmen. Man muss doch seinen Mitmenschen nicht alles mit Gewalt aufdrücken,
auch wenn man noch so sehr von etwas überzeugt ist.
Ich hoffe nur, dass ich es mir nun nicht mit dir verscherzt habe, das wäre
das letzte was ich bezwecken wollte! Aber das ist nun mal meine Meinung...
Liebe Grüße, Katja
Hallo Katja,
[Menschen mir Gefallen tun und ich auf Strasse einen Kommentar über Barfüßigkeit höre, tu ich ihnen Gefallen und reize sie nicht durch barfüßiges Erscheinen im
Gottesdienst]
Diese Bedenken kann ich auf jeden Fall nachvollziehen -- dass Jesus und die
Engel fast durchgängig barfüßig abgebildet werden, hat allerdings noch nie
Anstoß erregt ;-)
[gutes Zusammenleben funktioniert auf Basis von Geben und
Nehmen. Man muss doch Mitmenschen nicht alles mit Gewalt aufdrücken,
auch wenn man von etwas überzeugt ist]
Ich bin auch äußerst behutsam an meine (bislang auch nur vereinzelten)
barfüßigen Kirchgänge herangegangen.
Zuerst bin ich nur bei kirchlichen
Anlässen außerhalb des Gotteshauses barfuß gewesen: beim Pfarrfest, beim
gemeinsamen Fastenessen (wozu die bloßen Füße m.E. auch gut passen), bei der
Mitarbeit im Unterstützerkreis unserer brasilianischen Partnergemeinde.
Mein erster barfüßiger Kirchgang war am Pfingstmontag letzten Jahres. Ich
habe zuerst bewusst einen Nebenfesttag mit schwachem Gottesdienstbesuch
gewählt, dann noch einige normale Sonntagmessen.
Zum Festgottesdienst zur
Verabschiedung unseres bisherigen Pfarrers ging ich allerdings mit Schuhen. Beim
Händeschütteln an der Kirchentür meinte dieser ganz frech: "jetzt bin
ich aber enttäuscht, dass du Schuhe anhast!"
[hoffe , dass ich es mir nicht mit dir verscherzt habe, das wäre
das letzte was ich bezwecken wollte]
Absolut nicht! Ich halte Meinungsvielfalt für sehr wichtig. Wir brauchen
nicht zu Barfußfanatikern zu werden -- auch Schuhe sind manchmal sinnvoll.
Idealerweise hat man sowohl die barfüßige als auch die beschuhte Alternative
offen und entscheidet nach dem eigenen Leitbild -- unbeeinflusst von Zwängen,
Ängsten und Vorurteilen. Genau das machst Du, es ist das einzig Richtige
(durchaus nicht nur, was die Fußbekleidung betrifft).
Liebe Grüße, Lorenz
Auf meiner Neuseelandreise, die auch mit fast 3 Wochen meinen bisherigen
"Barfußrekord" darstellt, bin ich einmal zu einem katholischen
Gottesdienst gegangen. Ich dachte mir, da kannst Du nicht ohne Schuhe hingehen,
und auch meine Flipflops würden nicht genügen. Dabei stand an der Kirchentür,
dass "casual dress" okay sei.
Ich habe mir also Turnschuhe ausgeborgt
und sie "unauffällig" im Park gegenüber der Kirche angezogen. Und
dann kam die Überraschung: der Pfarrer erschien doch tatsächlich in Flipflops
zur Messe!
Tja, Neuseeland ist eben anders, was die Einstellung zur
Fußbekleidung angeht...
Liebe Grüße! Euer Harald
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