Barfuß und erfolgreich - Baumfrau Julia Butterfly Hill
(Forumbeiträge im Winter 1999/2000)

"Baumfrau" kehrt auf die Erde zurück
Nach zwei Jahren Protest in luftiger Höhe einigt sich Umweltschützerin Hill mit Holzgesellschaft
SACRAMENTO. Nach zwei Jahren auf einem Mammutbaum im hohen Norden Kaliforniens kehrte die Umweltschützerin Julia Butterfly Hill am Samstag auf den Boden zurück.
Von Ingrid Kölle. Vertreter der Holzgesellschaft Pacific Lumber bestätigten, dass sie sich mit der 25-Jährigen auf einen Vergleich geeinigt haben, der den Baum und eine 60 Meter große Pufferzone um ihn herum dauerhaft schützen wird. Das war für die junge Amerikanerin die Voraussetzung für das Ende ihrer Baumbesetzung gewesen.
Barfuß und in Regenkleidung seilte sich Julia Butterfly Hill vor laufenden Kameras ab. Nachdem sie zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder festen Boden unter sich verspürte, erklärte sie mit tränenerstickter Stimme: "Mir ist klar, dass ich für manche nichts weiter als ein baumliebender, dreckiger Hippie bin, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man an so einen Baum die Kettensäge anlegen kann."
Seit dem 10. Dezember 1997 hatte sie auf dem über tausend Jahre alten Redwoodbaum in 60 Meter Höhe auf einer mit Zeltplanen überspannten Holzplattform gelebt. Eine treue Gruppe von Freunden und Unterstützern versorgte sie mit allem, was sie zum Leben brauchte.
"Es ist völlig unmöglich, in Gegenwart dieser uralten Wesen nicht im tiefsten Inneren berührt zu werden", sagte Hill im Rahmen einer Pressekonferenz am Nachmittag. "Es gibt etwas, das mehr wert ist als Profit, und das ist das Leben."
Die Tochter eines Predigers schien bereit zu sein, ihr Leben für den Baum zu opfern. In ihrem Kampf um den Erhalt der letzten Redwoodbäume, die einst weite Teile des Nordwestens der USA und Kanadas bedeckten, hatte sie weltweite Unterstützung erhalten. [...] Die Firma erhält von Hill und ihren vielen Unterstützern 50000 Dollar für den Schutz des Baumes. Dieses Geld will das Unternehmen der nahe gelegenen Humboldt State Universität für Forststudien spenden.
[Stuttgarter Zeitung, 20. 12. 1999]

Marathon - Protest in Baumkrone beendet
Julia Hill verteidigte Redwood 738 Tage lang mit Leben und Gesundheit vor der Kettensäge
"Es ist so schön, auf dieser Erde lebendig zu sein": Julia Hill
Von Anna-Barbara Tietz, dpa STAFFORD. Nach mehr als zwei Jahren hat Julia Hill wieder Boden unter den Füßen. Die US-Umweltschützerin hat am Samstag ihren hartnäckigen Protest in der Krone eines Redwood - Baums im kalifornischen "Headwaters Forest" beendet. [...]
"Das Leben ist eine unendliche Lektion darüber, loszulassen", so ihre ersten Worte, zurück in der Zivilisation. [...] Der Umweltgruppe "Circle of Life" zufolge ist Julia bei bester Gesundheit. Wieder normal gehen zu lernen sei das einzige Problem. Julias erste irdische Freude war das Gefühl von kaltem Waldschlamm an ihren nackten Füßen. Als sie nach einer letzten Umarmung ihrem Baum den Rücken kehrte, hüpfte sie vorsichtig der Zivilisation entgegen: "Es ist so schön, auf dieser Erde lebendig zu sein", rief sie aus. [...]
[Mittelbayerische Zeitung, 19. 12. 1999 ]

Zwei Jahre im Baum
Kalifornische Aktivistin erklärt ihren Sieg
cpi. Los Angeles, 18. Dezember. Die 25jährige Umweltschützerin Julia Butterfly Hill, die aus Protest gegen die Abholzung des Redwoodwaldes zwei Jahre lang im Wipfel eines 60 Meter hohen Mammutbaums gelebt hatte, hat an einer Pressekonferenz in der Ortschaft Stafford ihren Sieg erklärt. Sie war, wie bereits gemeldet, am Samstag von dem 1000 Jahre alten Baum heruntergeklettert, nachdem sie mit dem Holzunternehmen Pacific Lumber ein Abkommen ausgehandelt hatte.
Hill hatte 737 Tage auf einer sechs Quadratmeter großen Plattform aus Sperrholz im Wipfel des Redwoodbaumes gelebt, Zeltplanen schützten sie vor Regen und Schneestürmen. Sie vertrieb sich die Zeit mit Lesen, schrieb Gedichte und kochte auf einem Gaskocher vegetarische Mahlzeiten. Ihre Mitstreiter versorgten sie regelmäßig mit Nahrungsmitteln und Wasser.
Um sich fit zu halten, kletterte sie täglich mehrere Stunden am Seil und vorzugsweise barfuß in der Baumkrone. Per Handy hatte sie Kontakt zur Außenwelt. Alle Anstrengungen der Pacific Lumber Company, sie zu vertreiben, waren fehlgeschlagen. [...]
Zur Pressekonferenz erschien sie barfuß nach einem vier Kilometer langen Fußmarsch durch den Wald. [...]
Hill setzte mit ihrer friedlichen Protestaktion eine lange Tradition fort. Die Abholzung der bis zu 2000 Jahre alten Redwoodwälder ist seit der Jahrhundertwende von Protesten begleitet. 1925 brachten sogenannte «lady conservatists» Holzfäller in Rage, weil sie sich an die bedrohten Redwoodbäume ketteten. Von den ursprünglich 800 000 Hektaren Redwoodwald, die sich vor 150 Jahren entlang der kalifornischen Küste bis nach Oregon erstreckten, sind inzwischen jedoch 96 Prozent abgeholzt. Umweltschützer in Kalifornien kämpfen seit zehn Jahren erbittert für die Rettung des Restbestandes. [...]
[Neue Zürcher Zeitung, 21. 12. 1999]

Mehr Information findet sich im Internet hier.

Bewundernswert - oder ? Georg

Danke für die interessante Information! Barfuß sein und eine starke Beziehung zur Natur zu haben, das passt genau zusammen. Und das gehört auch zu meiner Lebensphilosophie.
Der Hautkontakt zur Natur trägt für mich wesentlich zum Lebensgenuss bei, ja er macht einen großen Teil der Lebensqualität aus. Für die Baumfrau gehörte das sanfte Barfußklettern wohl auch zu ihrer "Liebesbeziehung" mit dem Baum, den sie beschützen (und nicht beschädigen) wollte.
Liebe zur Natur durch direkten Sohlenkontakt -- eine wesentliche Dimension der Sinnlichkeit!
Serfuß, Lorenz

Ich glaube, das bringt einen wesentlichen Aspekt des Barfußlaufens ziemlich gut auf den punkt !
Dem ist nix hinzuzufügen, außer: weiter so ! Andreas B

Julia "Butterfly" Hill: Von der Aktivistin zum Medienprofi
Die erfolgreiche Baum - Besetzerin hat ihre Geschichte als Buch veröffentlicht / Barfuß und ungeschminkt zum Interview - Termin [...]
MÜNCHEN. Die Tinte ist aus Soja. Das Papier zu hundert Prozent wiederverwertbar. Anders hätte es Julia Hill nicht gemacht. Nach 738 Tagen ist sie im Dezember vergangenen Jahres von ihrem Baum "Luna" heruntergeklettert und hat ein 250 Seiten dickes Buch geschrieben, das inzwischen auf Englisch, Deutsch und Italienisch erschienen ist.
Ein weltweites Medienecho auf ihre Aktion zum Schutz der Redwood - Kiefern in Kalifornien bestärkte die 26- jährige Tochter eines Wanderpredigers in der Auffassung, dass eine einzelne Person etwas bewegen kann. "Ich bin der lebende Beweis dafür", sagt Julia.
Gestern saß sie im Hilton - Hotel in München in einer Suite, um Interviews zu geben. Auch daran hat sie Gefallen gefunden. Ungeschminkt, barfuß, mit grauem Pulli, grauer Hose, in schwarzen langen Haaren, die ihr unter die Schultern reichen. [...] Die Umweltaktivistin ist sich ihrer Wirkung bewusst. [...]
In ihrem Buch kommen mehrfach Grenzsituationen vor. Als sie im Oktober 1997 mit Kletterseil und Karabinerhaken auf den 65 Meter hohen Baum klettert, ist sie ein unbekanntes Mädchen mit Träumen, die Umwelt zu schützen.
Als sie nach gut zwei Jahren von ihrer Plattform wieder heruntersteigt eine weltweit bekannte Umweltschützerin.
Jetzt ist sie dabei, ein Medienstar zu werden. Die Baumbesetzung hat ihr Leben total verändert. "Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen. Luna hat mich verändert", sagt sie. Welt und Schöpfung hätten dort oben im Gebet zu ihr gesprochen. Die Menschen sollten lernen, "von den Zinsen der Erde zu leben, statt ihre Substanz anzugreifen", lautet Julias Botschaft. [...]
Julia hat nicht vor, ihren Baum, den sie zärtlich Freundin nennt, wieder zu besteigen. Die Seilvorrichtungen sind weg, "ich freue mich, dass Luna wieder Baum sein kann". [...]
Im ersten Winter fegte der Sturm El Niño durch den Wald. Ihre Plane wurde zerrissen, wie eine Vogelscheuche sei sie schutzlos dem Hagel und der Kälte ausgeliefert gewesen. Ihre Plattform kam ihr wie ein Streichholz vor. "Der Wind lässt die Gedanken verrückt spielen. Sechs Nächte konnte ich nicht schlafen. Ich betete und flehte um mein Leben. Ich klammerte mich an Luna, umarmte den Ast und sagte, ich möchte stark für dich sein, Luna." Danach wollte sie nicht mehr weitermachen.
Als sie den Orkan überstanden hatte, fühlte sie sich wie verwandelt und schöpfte neue Kräfte. Julia zitiert die Lokalpresse: "Ausdauertest mit offenem Ende". Das weckte ihren Widerstandsgeist, so lange oben zu bleiben, bis die Zusage der Holzfirma vorlag, die Rodung einzustellen. [...]
Eine Zeitschrift erkor sie zu einer der am meisten bewunderten Frauen Amerikas. Vorher wurde sie als ausgeflippt, terroristisch und geisteskrank eingestuft. [...]
Die ARD hat sie für Oktober zu "Beckmanns" eingeladen. Die meisten Reaktionen sind inzwischen positiv. "Manche nennen mich sogar eine Heldin", sagt Julia Hill. Anfragen für eine Verfilmung des Stoffs hat sie auch schon.
[Mittelbayerische Zeitung, 20. 09. 2000]

Habe heute einen Beitrag über die USA gesehen, in dem auch Julia "Butterfly" Hill vorkam.
Sie sagte prompt, dass sie gern barfuß geht, besonders, wenn sie sich in der Natur aufhält, aber nun Socken und Handschuhe trägt (wenn es kalt ist) um nicht einige Glieder ihrer Finger oder Zehen zu verlieren, die in der Zeit auf dem Baum durch Erfrieren vorgeschädigt sind.
Das haben ihr die Ärzte geraten.
Sie wurde beim Balancieren auf einem Stamm gezeigt und die Kamera zoomte auf ihre Füße, an denen dicke graue Socken und Tevas waren. Handschuhe trug sie allerdings bei dieser Aufnahme nicht.
Eine bewundernswerte Persönlichkeit, die zugab, dass sie schreiend weggerannt wäre, wenn ihr kurze Zeit zuvor jemand von dem erzählt hätte, was sie dann später mit allem Mut getan hat.
Mit Hut ziehenden Füßen,
Franek

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