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Thilo
geht seit der Schulzeit "zumindest den ganzen Sommer über barfuß"
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumbeiträgen seit Winter
1998/99)
Nachdem ich die interessante Diskussion in
diesem Forum einige Zeit mitverfolgt habe, möchte ich mich auch mal selbst mit einem
Beitrag beteiligen, und dabei auch gleich die "gnadenlose Neugier" stillen: Ich
bin 30 und gehe seit meiner Schulzeit zumindest den ganzen
Sommer über barfuß.
Angefangen habe ich mit diesem Hobby während einer Klassenfahrt nach Spanien: Ein Freund
von mir zog kurz nach der Ankunft nach einem ersten Abstecher zum Strand die Sandalen
einfach nicht wieder an - er war auch vorher schon öfter barfuß in die Schule gekommen -
und motivierte mich mit einem "probier's doch auch mal", Spanien ebenfalls auf
nackten Sohlen zu erkunden. Wieder in Deutschland, überzeugte ich dann auch meine
damalige Freundin vom Erlebniswert des Barfußlaufens.
...
Während meiner letzten Schuljahre hatte ich nie größere Probleme mit dem
Barfußgehen, zumal ich mit meiner Angewohnheit nicht allein war: In den Sommermonaten
waren eigentlich immer einige Mitschüler unbeschuht unterwegs, und in den Pausen konnte
man meist mehrere nackte Sohlen erspähen. Allerdings waren es fast ausschließlich
Mädchen, die auf Schuhwerk verzichteten. Es gab aber eben doch einige Ausnahmen (siehe
auch mein Spanien-Erlebnis), und ein Junge ging sogar im
Winter barfuß, was ich mich damals nie traute. ...
In den 80er Jahren waren an meiner Schule jeden Sommer einige Schüler barfuß unterwegs, man
kann also nicht von einer kurzfristigen Mode sprechen. Beim Schulsport
waren Schuhe zumindest in der Halle keine Pflicht, und einige Mädchen sowie 2-3 Jungs
kamen regelmäßig barfuß (ich selbst auch sogar im
Winter). Wenn wir aber draußen waren, sah es anders aus: Als einmal ein auch sonst
barfußerfahrenes Mädchen auf nackten Sohlen auf die Aschenbahn kam, meinte unser
Sportlehrer, Barfuß - Sport sei ja sehr gesund, aber außerhalb der Halle zu gefährlich!
...
An der Uni (Bonn) waren Barfüßer beiderlei
Geschlechts äußerst rar, aber wenigstens hörte ich kaum mal irgendwelche lästigen
Kommentare: Barfußgehen wurde als eine von unzähligen möglichen modischen Extravaganzen
akzeptiert. ... An der Uni ging ich im Sommer
nahezu immer barfuß, zumal fast alle Freunde und Bekannten sich ohnehin daran gewöhnt
hatten. Anders als in der Schulzeit habe ich während der Uni auch immer mal im Winter die Schuhe im Schrank gelassen, allerdings
"nur" bei (nicht zu starkem) Frost, nicht bei Schnee (meine trainierten Sohlen
vertragen Kälte einfach besser als der Rest des Fußes, und Schnee währe bestimmt ein
Problem geworden oder vielleicht auch nicht, wenn ich an einige
Beiträge der vergangenen Monate denke?). ...
Wenn ich in Deutschland auf Reisen bin, bleiben die Schuhe natürlich ebenfalls zu
Hause. Eine besonders lustige Erfahrung machte ich letzten Herbst in Weimar: Ich wollte
das Goethe- und Schillerhaus besuchen, und während ich beim Eintreten in Schillers
Wohnräume nur freundlich darauf hingewiesen wurde, ich solle auf meine Füße aufpassen
(unebener Holzboden!), löste ich im Goethehaus eine heftige Diskussion aus: Ein mit
Entrüstung vorgetragenes "Barfuß können Sie hier nicht rein" wurde mit
"das hat noch nie jemand gemacht" begründet. Schließlich einigten sich die
Aufsichtspersonen jedoch darauf, dieses "1. Mal" doch zulassen zu müssen, da
ich ja schon ein Ticket gekauft hatte.
Zum Schluss
kann ich vielleicht noch eine wie ich finde lustige
Angewohnheit von mir erwähnen:
Wer von uns kennt nicht die erstaunt vorgetragenen Fragen "Ist das nicht zu
kalt?" (sogar im Sommer!) oder "Tut das nicht weh?". Eine entsprechende
Situation vorausgesetzt, reagiere ich manchmal mit dem Standardsatz: "Nein, ich gehe
schon seit vielen Jahren barfuß und habe eine Hornhaut, die so unempfindlich ist,
dass
ich sogar eine Zigarette auf meiner Sohle ausdrücken kann." In nahezu ¾ aller
Fälle werde ich dann anwesende Nikotinabhängige vorausgesetzt
aufgefordert, dies zu demonstrieren, wobei ich mich immer wieder über das geradezu
maßlose Erstaunen amüsiere, dass
meine "Fähigkeit" auslöst! ...
Nach längerer Pause will ich mich mal wieder melden,
und zwei Erlebnisberichte zum Besten geben: An den letzen zwei Wochenenden hatten wir ja
geradezu ideales Barfuß - Wetter, und ich habe die Gelegenheit zu einem kürzeren und
einem längeren Ausflug genutzt. Vor zwei Wochen besuchte ich Schloss Augustusburg in
Brühl, das ich - obwohl für mich quasi "um die Ecke" gelegen - noch nie
besichtigt habe. Ich machte eine etwa einstündige Führung mit, zusammen mit etwa 15 - 20
anderen Besuchern jeglichen Alters. Barfuß reinzukommen bereitete keinerlei Probleme, nur
die Führerin, eine Studentin, kam kurz aus dem Konzept, als sie (in Raum 3) schließlich
meine unbeschuhten Füße bemerkte (einen so entgeisterten Blick habe ich schon lange
nicht mehr gesehen, ein Kommentar blieb jedoch aus)! Die verschiedenen Bodenbeläge zu
spüren war ein großartiges Erlebnis: Filzteppich, Holzparkett und Marmorboden vermitteln
ja jeweils ganz andere Eindrücke, und die Schuhträger wissen gar nicht, was ihnen
entgeht! In den direkt ans Schloss grenzenden Parkanlagen sind die Wege übrigens mit
fein- und spitzkörnigem Kies bestreut - eine großartige Massage für trainierte Sohlen
(ich konnte mir mehrere längere Jogging - Einlagen nicht verkneifen)!
Letzten Samstag bin ich nach Darmstadt gefahren, und habe die Stadt sowie einige Museen
besichtigt. Probleme gab es nur im Jugendstil - Museum auf der Mathildenhöhe, wo ein Herr
von der Aufsicht mich aufforderte, Schuhe anzuziehen - ohne käme ich nicht rein! Meine
Frage nach den Gründen beantwortete er mit "Dies ist ein Museum und kein
Badestrand"! Seltsam, auf was manche Leute so kommen
Ansonsten nirgends
Schwierigkeiten: Im Schlossmuseum hatte ich eine Führung für mich allein (es war gerade
Mittag und sehr heiß, da hatte wohl sonst niemand Lust). Eine nette Studentin führte
mich ca. 45 Minuten durch die Räume, und schien von meinem Barfuß - Erscheinungsbild
eher beeindruckt zu sein - sie ließ sich jedoch zu keinem Kommentar verleiten. Auch im
Hessischen Landesmuseum machte keiner der recht zahlreichen Aufseher auch nur eine
Bemerkung! Im etwas außerhalb gelegenen Jagdschloss Kranichstein meinte eine ältere
Aufseherin, die mich (mit meinem recht voluminösen Fotoapparat) anscheinend schon im
Vorhof "gesichtet" hatte, als ich an die Kasse kam in äußerst freundlichem
Tonfall und mit einem Lächeln: "Ah, Sie sind der Barfuß - Fotograf".
Insgesamt also viele positive Erfahrungen! Minimal getrübt wurde der Tag (ich war ca. 9
Stunden unterwegs) allerdings durch die gerade stattfindende Großkirmes: Zwar wurde so
die gesamte Innenstadt zur Fußgängerzone, es wimmelte aber geradezu von Glasscherben.
Ich musste also genauer aufpassen, wo ich hintrat, als sonst. Es gab aber keine
Verletzungen, ich musste nur manchmal einen Kleinstsplitter aus meiner Hornhaut entfernen.
Einfach cool fand ich einen eingeschobenen Shopping - Bummel: Ich fragte an mehreren
entsprechend ausgestatteten Ständen nach Schmuck für meine Fußknöchel. Eine silberne,
ringförmige und äußerst elastische Metallfeder (ich weiß wirklich nicht, wie ich
dieses Schmuckstück sonst beschreiben soll, sieht aber megagut aus) hatte es mir dann
schließlich angetan, und ich fragte, ob ich sie "anprobieren" könne. "Ja
sicher" antwortete der Verkäufer, ich streifte sie über den rechten Fuß,
begutachtete das Ergebnis, bezahlte und ging. Andere Barfüßer traf ich den ganzen Tag
über nicht (vielleicht wegen der vielen Glassplitter ?), erst am Spätnachmittag sah ich
ein Punk - Mädchen (mit interessantem Piercing über dem Auge und im Nasenflügel) ohne
Schuhe und mit extrem dreckigen Füßen (auch Oberseite!). Ich sprach sie an ("Noch
jemand, der lieber barfuß unterwegs ist!"), und wir wechselten ein paar Worte (sie
geht im Sommer immer barfuß).
So, das war's für heute. Am Monatsende fliege ich für vier Wochen nach Tunesien (ich
wollte ursprünglich in die Türkei, ist mir aber derzeit zu heftig) - mal sehen, was es
da so zu erleben gibt - und werde mich im September wieder melden! Ich fände es toll,
wenn ich dann mal was mit anderen Forumsteilnehmern unternehmen könnte: Vielleicht ein
Stadtbummel im Ruhrgebiet? Wer auch Lust hätte, kann mich ja schon mal privat anmailen
(Antwort kann etwas dauern, bin derzeit viel unterwegs & selten am Compi)!
Barfüßige Grüße aus Euskirchen Thilo
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Thilos
barfüßiger Frühlingsausflug nach Luxemburg
(Forumbeitrag im Frühjahr 1999)
Gestern [Karfreitag] habe ich
das strahlend schöne Frühlingswetter zu einem Tagesausflug nach Luxemburg-City genutzt.
Barfuß, den rechten Knöchel mit einem einfachen roten Haushaltsgummi geschmückt, machte
ich die Stadt unsicher. Während meines knapp neunstündigen Aufenthalts war ich fast
immer unterwegs, und genoss die verschiedenen Bodenbeläge (alle Arten von Asphalt,
Kopfsteinpflaster, festgetretener glatter Lehmboden in den Kasematten, Schotterwege,
Rasen, Holzdielen im Museum, raue Metallgitter- und unebene Steintreppen - eine
kostenlose Fußmassage - und Marmorboden). Alles in allem war es ein Frühlingsfest für
meine Füße!
Zwar war die Innenstadt total überfüllt (in Luxemburg war normaler Geschäftstag), aber
auch unter den vielen jungen Leuten sah ich leider keinen einzigen anderen Barfüßer.
Kommentare gab es kaum, nur hin und wieder einen überraschten Ausruf. Lediglich als ich
einer Gruppe junger Skater begegnete, fragte mich einer, wo meine Schuhe wären Ich
erklärte, dass ich fast immer barfuß gehe, worauf ein anderer aus der Gruppe wissen
wollte, ob ich auch barfuß Skateboard fahre eine lustige Begegnung!
In alle Museen und die Kasematten kam ich ohne Probleme und Kommentar barfuß rein.
Barfüßige Frühlingsgrüße Thilo
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