| [Stefan nahm an letzten Sportstunden barfuß teil] | [barfüßige Girl auf Fahrrad gerne wiedertreffen] |
Stefan nahm wenigstens an seinen beiden letzten Sportstunden barfuß
teil
(Forumbeitrag im Winter 1998/99)
Hallo Ihr BarfüßerInnen ! Gestern habe ich im Internet
Eure Seite entdeckt. Ich finde es klasse, dass es mittlerweile nicht mehr nur
englischsprachige Seiten zum Thema Barfußlaufen gibt.
Nachdem ich den Brief von Julia gelesen habe, die am Dienstag
morgen erstmals barfuß am Sportunterricht teilgenommen hat,
fühle ich mich ermutigt, auch mal über meine Erlebnisse zu schreiben.
Bei uns war es im Sportunterricht nur üblich, dass
hin und
wieder mal ein oder zwei Mädchen barfuß mitmachten. Die Jungen
hatten immer Schuhe an. Ich hatte während meiner Schulzeit schon häufig daran
gedacht, es den Mädchen mal nachzumachen und mir fest vorgenommen, eines Tages die Schuhe
einfach wegzulassen. Leider habe ich es dann immer weiter aufgeschoben, bis zum Ende der
13.
Um es wenigstens einmal zu erleben, wie es ist, während des Unterrichts barfuß zu
laufen, habe ich nach der drittletzten Sportstunde, als ich mich ärgerte, es wieder nicht
getan zu haben, meine Turnschuhe weit weggeräumt. Die vorletzte Sportstunde war dann an
einem Donnerstag Mittag. Als ich morgens ohne Turnschuhe losfuhr, war ich schon
einigermaßen aufgeregt, denn in diesem Moment wusste
ich, dass es kein zurück mehr gab.
Mittags nach der Pause gingen wir dann in den Umkleideraum. Ich beeilte mich nicht, so
dass die Meisten schon in der Halle waren, als ich schließlich meine Socken auszog. In
dem Moment habe ich mich schon ein wenig nach meinen Turnschuhen gesehnt. Ein Mitschüler
fragte, ob ich meine Schuhe vergessen hätte. Das jetzt zu bestätigen, hätte wohl den
Sinn der ganzen Aktion über den Haufen geworfen. Ich musste
zugeben, dass ich es
freiwillig mache. Also antwortete ich, dass es doch genau so gut ohne Schuhe ginge und
dass ich ganz gern barfuß laufe. Die erste Hürde war somit genommen.
Als ich dann barfuß über den kalten Boden Richtung Turnhalle ging, war das ein recht
ungewohntes Gefühl. Ich musste daran denken, dass
von den Jungen noch nie jemand barfuß
zum Sportunterricht gekommen war. Das ist ja auch eigentlich nur was für Mädchen. Aber
ich hatte ja keine Schuhe dabei und jetzt ging es halt nicht mehr anders.
Also ging ich zügig in die Turnhalle und setzte mich auf die Bank. Ich stellte fest,
dass ausgerechnet heute keines der Mädchen barfuß kam, also war ich in der ganzen Turnhalle
der Einzige ohne Schuhe. Da sich alle unterhielten und ich später kam, hatten erst wenige
bemerkt, dass ich barfuß war. Aber jetzt war es nicht mehr zu verbergen, denn die
Lehrerin forderte uns zum Warmlaufen auf. Während der Sportstunde war dann die ganze
Aufregung auf einmal verflogen, weil ich feststellte, dass
da ja irgendwie gar nichts bei
ist und es von allen akzeptiert oder gar nicht weiter beachtet wurde. Meine Bedenken
vorher waren wohl absolut überflüssig.
Als ich mich nach dem Warmlaufen zu Unterrichtsbeginn an das Gefühl gewöhnt hatte und
keine negativen Reaktionen gekommen waren, fühlte ich mich nicht weniger wohl, als mit
Schuhen. Später machten wir dann ein kleines Volleyballturnier. Das heißt: Wenige
spielten und die anderen Mannschaften sahen zu. Aber auch daran, beobachtet zu werden,
habe ich mich dann schnell gewöhnt. Natürlich habe ich an der letzten Sportstunde wieder
barfuß teilgenommen, dieses Mal dann ohne die ganzen Gedanken vorher.
Es ist wirklich schade, dass ich mich dazu nicht ein paar Jahre früher überwinden
konnte, denn dass man sich barfuß schämen würde, redet man sich nur immer ein. Die
Wirklichkeit ist viel harmloser, als die Phantasie.
Stefan
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Das barfüßige Girl auf dem Fahrrad würde Stefan gerne
wiedertreffen
(Forumbeitrag im Winter 1998/99)
Während meiner Zivildienstzeit bin ich dann nur mal ab und
zu barfuß ins Freibad gegangen und das auch nur vom Parkplatz bis zum Eingang. Nichts
besonderes, aber um sich an das Gefühl zu gewöhnen ganz gut. Später habe ich dann
absichtlich etwas weiter weg geparkt. Übrigens habe ich festgestellt, dass
vom Freibad
aus erstaunlich viele junge Mädchen barfuß nach Hause gehen, da es vor dem Freibad
allgemein akzeptiert wird und bis man dann ein paar Straßen weiter ist, hat man sich
allmählich daran gewöhnt.
Im Laufe der Zeit stärkte sich schon der Wunsch in mir, mal ein längeres Stück barfuß
zu gehen, vielleicht durch die Stadt, wie ich es zuvor bei einem Eis schleckenden Mädchen
beobachtet hatte. Aber das sollte dann noch bis zum Ende meines zweiten Semesters dauern,
bis ich nicht mehr so empfindlich war im Hinblick auf die Blicke und eventuellen
Reaktionen anderer.
Weil ich keinen Wert darauf legte, gleich beim ersten Mal barfuß Bekannte zu treffen,
plante ich meinen ersten Barfußgang durch die Fußgängerzone nicht in Dortmund, sondern
im benachbarten Bochum. So fuhr ich dann an einem sehr heißen Samstag Mittag mit der
S-Bahn von der Uni aus nach Bochum. Ich hatte eine kurze Jeans an und Turnschuhe ohne
Socken. Am dem Bahnhof gegenüberliegenden Ende der Innenstadt suchte ich dann eine ruhige
Seitenstraße, in der ich meine Schuhe möglichst unbeobachtet ausziehen wollte. Da ich
mich nicht traute und mich überall beobachtet fühlte, ging ich recht weit aus der Stadt
heraus, wo ich einen ruhigen Parkplatz fand. So konnte ich die Turnschuhe zwischen den
Autos ausziehen, in meine Büchertasche stecken und wenigstens die ersten Meter
unbeobachtet barfuß gehen.
Als mir die ersten Leute begegnet waren, ohne eine negative Reaktion zu zeigen, war ich
zwar erleichtert, muss aber zugeben, dass
es mir anfangs doch peinlich war. Nach und nach
habe ich mich dann an die Blicke der Leute gewöhnt und fand es später eigentlich recht
angenehm, bei dem heißen Wetter einfach barfuß laufen zu können.
Denjenigen, die es noch nicht gemacht haben, kann ich nur sagen, dass
es absolut
erstaunlich ist, wie normal das Barfußlaufen in der Stadt nach einigen Minuten wird.
Reaktionen gab es nicht viele. Eine junge Frau sagte zu ihrer Freundin: "Barfuß, das
möchte ich jetzt auch" und ging mit Schuhen weiter, trotz der Hitze. Zwei Mädchen
meinten, ich solle bloß nicht in eine Scherbe treten. Das war alles, was ich hörte. Im
Hinblick auf Scherben oder Unrat musste ich eigentlich kaum mehr aufpassen, als mit
Schuhen. Irgendwie hat man das sowieso im Blick, ohne dauernd nach unten zu sehen. Viel
mehr habe ich auf die Ampeln geachtet, weil ich schnell feststellte, dass
es eine recht
peinliche Situation ist, in der Fußgängerzone minutenlang barfuß vor einer roten Ampel
zu stehen und sich in aller Ruhe von den Gegenüberstehenden beobachten zu lassen. Aber
auch daran gewöhnt man sich irgendwann.
Kurz vorm Bahnhof hörte ich dann hinter mir ein Fahrrad bremsen. Zunächst schenkte ich
dem keine Beachtung, bis ich die Person auf dem Fahrrad sah. Es war ein etwa 18 Jahre
altes Mädchen mit langen dunklen Haaren, gepflegtem nicht flippigen Äußeren und einem
unwahrscheinlich lieben, unschuldigen Blick. Gerade, als sie an mir vorbeifuhr, sprang
eine Ampel auf rot und wir blieben nebeneinander stehen. Auf einmal fand ich diese Ampeln
einfach absolut spitze und wünschte, sie würde nie wieder grün werden, denn ich stellte
fest: Dieses Mädchen hatte keine Schuhe an!!! Wir sahen uns mehrmals in die Augen, aber
dann wurde es leider doch wieder grün. Barfuß fuhr sie mit ihrem Fahrrad los, rechts am
Bahnhof vorbei und drehte sich noch mindestens vier oder fünf mal nach mir um. Leider
ging dann alles so schnell, was hätte ich machen sollen????
Am Bahnsteig zog ich mir dann die Schuhe an und fuhr nach Hause. Dummerweise hatte ich mir
auch noch eine Blase zugezogen, weil ich wohl fürs erste Mal zu weit gelaufen war, oder
weil die Pflastersteine stellenweise zu heiß waren?
Jedenfalls heilte die Blase schnell wieder und ich hatte einen interessanten Tag hinter
mir. Seit diesem ersten Barfußtrip bin ich schon wieder ein paar Mal
barfuß gelaufen. Die
nächsten Male war es weniger dramatisch. Aber das Barfußmädchen mit dem treuen Blick,
die mir an der Ampel vorm Bochumer Hauptbahnhof lange Zeit in die Augen sah, ist mir nie
wieder begegnet.
Bis bald, Euer Stefan
Post Scriptum: Eine E-Mail habe ich leider nicht, habe an einem fremden Computer
geschrieben. Werde mich bestimmt wieder melden. Grüße an Julia,
durch deren Bericht ich auf die Idee kam, auch mal zu schreiben.
Hallo Stefan, willkommen im Forum! Dein Bericht ist
ziemlich typisch für viele Barfüßer, die meisten werden sich selbst wiedererkennen, ich
schließe mich da selber mit ein:
[ Nachdem ich den Brief von Julia gelesen habe, fühle ich mich ermutigt, auch mal
über meine Erlebnisse zu schreiben.]
Was lernen wir daraus? Wir brauchen mehr schreibende Frauen. Bis auf wenige Ausnahmen (z.
Zt. Tina und Julia)
"verirrt" sich das weibliche Geschlecht anscheinend nur in der warmen Jahreszeit
hierhin.
[Bei uns war es im Sportunterricht nur üblich,
dass hin und wieder mal ein oder zwei Mädchen barfuß mitmachten. Die Jungen hatten immer
Schuhe an. [...] Ein Mitschüler fragte, ob ich meine Schuhe vergessen hätte. Das jetzt
zu bestätigen, hätte wohl den Sinn der ganzen Aktion über den Haufen geworfen.
Also antwortete ich, dass es doch genau so gut ohne Schuhe ginge und
dass ich ganz gern
barfuß laufe.]
Diese aufrichtige Antwort beweist schon einiges an Mut, Respekt. Ich hätte mich an Deiner
Stelle wohl auf die bequeme Ausrede, die Schuhe vergessen zu haben, gestützt, zumal so
spät (vorletzte Stunde) ja gar kein "outen" mehr nötig gewesen wäre. Ich bin
immer wieder erstaunt, wie viele (Mädchen und Jungen) über den Sport zum Barfußlaufen
gekommen sind! Meine "Biographie" ist da etwas anders.
Falls der Schulsport aber tatsächlich den Spaß am
barfüßigen Laufen zu Tage bringt, sollte es vielleicht doch in der Schule praktiziert
werden. Dann aber schon früh in der Grundschule, wenn die Füße (Sehnen, Gelenke, etc.)
noch entwicklungsfähiger sind. Aber zum Thema Schulsport
wurde hier schon soviel geschrieben, dass ich mir weitere redundante Bemerkungen spare.
[ Das ist ja auch eigentlich nur was für Mädchen.]
Eine leider weit verbreitete Meinung, die es uns Jungs
und Männern noch schwerer macht. Dabei müsste das Klischee doch genau das Gegenteil
"verlangen", denn nach einem anderen Klischee sollen Männer ja härter im
Nehmen sein als Frauen, was dann auch für die Fußsohlen gelten sollte.
[ Während der Sportstunde war dann die ganze Aufregung
auf einmal verflogen, weil ich feststellte, dass es von allen akzeptiert wurde oder gar
nicht weiter beachtet wurde. Meine Bedenken vorher waren wohl absolut überflüssig.]
Auch typisch: Wir machen uns viel zu viele Gedanken über die möglichen Reaktionen
anderer, die gar nicht eintreten. Oder, negativ ausgedrückt: Wir nehmen unser nackten
Füße viel zu wichtig. Im Gegensatz zur Umwelt, die oft ganz andere Probleme hat.
[ Weil ich keinen Wert darauf legte, gleich beim ersten
Mal barfuß Bekannte zu treffen, plante ich meinen ersten Barfußgang durch die
Fußgängerzone nicht in Dortmund, sondern im benachbarten Bochum.]
Auch dieses Verhalten findest Du sehr oft im Forum. Während ich mittlerweile in
meinem "Wahlheimatsort" in der Nähe von München an warmen Tagen wie
selbstverständlich barfuß durch den Ort laufe, ja sogar einkaufe, bin ich in der
Kleinstadt in Osthessen, in der ich aufgewachsen bin, nach wie vor
zurückhaltender. Obwohl
mir dort immer weniger Bekannte über den Weg laufen.
[ Ich hatte eine kurze Jeans an und Turnschuhe ohne
Socken.]
Sieht ätzend aus ohne Socken (ich laufe allerdings selber kurzfristig schon mal
so
rum) und schon allein aus ästhetischen Gründen schreit das geradezu nach Ausziehen der
Treter!
[Da ich mich nicht traute und mich überall beobachtet
fühlte, ging ich recht weit aus der Stadt heraus, wo ich einen ruhigen Parkplatz fand. So
konnte ich die Turnschuhe zwischen den Autos ausziehen, in meine Büchertasche stecken und
wenigstens die ersten Meter unbeobachtet barfuß gehen.]
Wieder ein typisches - rational eigentlich nicht nachvollziehbares - Phänomen,
geht mir heute noch so. Die beste Eisdiele hier am Ort ist leider so gut 2 km von meiner
Wohnung entfernt, zuviel um an den ersten warmen Tagen hin und zurück mit den
untrainierten Füßen zu laufen. Also gehe ich in Schuhen hin und barfuß zurück. Die
Frage ist nur: Wo ausziehen? Vor der brechend vollen Eisdiele? Auf keinen Fall! In der
Seitenstraße? Da kommt einem garantiert gerade jemand entgegen. Dabei halte ich auf dem
Rückweg ja sowieso die Schuhe in den Händen; demonstrativer kann man ja gar nicht mehr
zeigen, dass
die reine Lust am Barfußlaufen Schuld ist. Womöglich ist es die Angst, das
Ausziehen der Schuhe könne noch mehr Aufmerksamkeit erregen, als das Barfußlaufen
selbst. Barfußlaufen ja - Auffallen nein. Das geht in unserer Gesellschaft aber leider
nur beschränkt.
[ Wir sahen uns mehrmals in die Augen, aber dann wurde
es leider doch wieder grün. Barfuß fuhr sie mit ihrem Fahrrad los, rechts am Bahnhof
vorbei und drehte sich noch mindestens vier oder fünf mal nach mir um. Leider ging dann
alles so schnell, was hätte ich machen sollen????]
Dumm gelaufen, hätten ihre nackten Füße doch einen guten Einstiegspunkt geboten, ins
Gespräch mit ihr zu kommen. Auf der anderen Seite verdrängt Barfußlaufen nicht
automatisch jede Schüchternheit, allerdings wird im Forum öfters diskutiert und
bestätigt, dass
Barfußlaufen das Selbstbewusstsein
steigert. Beim nächsten Mal klappt's
vielleicht schon besser.
Vielleicht ist es Einbildung, aber ich habe immer das Gefühl, dass
einen barfuß mehr
junge Frauen (egal ob selber barfuß oder nicht) anlächeln als in Schuhen. Junge Männer
schauen schon eher mal skeptisch oder schlimmer: mitleidig. Im Alter kehrt sich das dann
um, soll heißen ältere Frauen schauen auf barfüßige Männer eher skeptisch, ältere
Männer eher mit Wohlwollen. Kann das jemand bestätigen? Allerdings gilt weiterhin: Die
meisten reagieren gar nicht.
[ Post Scriptum: habe an einem fremden Computer
geschrieben. Werde mich bestimmt wieder melden.]
Das wollen wir doch hoffen. Serfuß, Jörg
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